Krisen kommen selten aus dem Nichts. Meist kündigen sie sich über Monate an, in den Zahlen, bei Kunden oder im Team. Gutes Krisenmanagement bedeutet, diese Signale früh zu erkennen und entschlossen zu handeln, solange noch Spielraum besteht.
Die Phasen einer Unternehmenskrise
- Strategische Krise: Das Geschäftsmodell verliert an Kraft, etwa durch neue Wettbewerber oder veränderte Nachfrage. Die Zahlen sind oft noch gut.
- Ertragskrise: Umsatz und Margen sinken, Verluste entstehen.
- Liquiditätskrise: Das Geld wird knapp, Rechnungen werden später bezahlt, Kreditlinien sind ausgeschöpft.
- Insolvenz: Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung.
Je früher Sie handeln, desto mehr Optionen haben Sie.
Frühwarnzeichen
- sinkender Auftragseingang oder sinkende Anfragen über mehrere Monate
- fallende Marge bei gleichem oder steigendem Umsatz
- Abhängigkeit von wenigen Großkunden, die Volumen reduzieren
- steigende Forderungslaufzeiten und Lagerbestände
- Kontokorrentlinie dauerhaft ausgeschöpft
- Lieferanten verlangen Vorkasse
- Abgang von Schlüsselpersonen
Pflichten der Geschäftsführung
Für Geschäftsleiter von Kapitalgesellschaften wie der GmbH verlangt das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG), Entwicklungen, die den Fortbestand gefährden können, fortlaufend zu überwachen und bei Bedarf gegenzusteuern. Tritt Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ein, muss nach der Insolvenzordnung ohne schuldhaftes Zögern Insolvenzantrag gestellt werden, spätestens innerhalb von drei Wochen bei Zahlungsunfähigkeit und sechs Wochen bei Überschuldung. Lassen Sie sich frühzeitig von spezialisierten Beratern, Steuerberatern oder Fachanwälten begleiten.
Sofortmaßnahmen bei Liquiditätsengpässen
- 13-Wochen-Liquiditätsplan aufstellen und wöchentlich aktualisieren
- Forderungen konsequent eintreiben, Zahlungsziele verkürzen, Anzahlungen verlangen
- Lager abverkaufen, Bestellungen stoppen, die nicht dringend sind
- Mit Bank und Lieferanten früh und offen sprechen: Stundungen, Ratenzahlungen, Tilgungsaussetzungen
- Stundung von Steuern beim Finanzamt und Sozialversicherungsbeiträgen prüfen
- Forderungen verkaufen (Factoring) oder nicht betriebsnotwendiges Vermögen veräußern
Maßnahmen gegen die Ertragskrise
- Kunden, Produkte und Aufträge nach Deckungsbeitrag analysieren und Verlustbringer beenden
- Preise überprüfen und anpassen
- Fixkosten senken, die keinen Beitrag zum Kerngeschäft leisten
- Kapazitäten an die Nachfrage anpassen, etwa mit Kurzarbeit
Die strategische Ursache angehen
Kostensenkungen allein retten kein Unternehmen, dessen Angebot nicht mehr gefragt ist. Nutzen Sie die Krise, um das Geschäftsmodell zu überprüfen, zum Beispiel mit einer SWOT-Analyse. Kommunizieren Sie offen mit Mitarbeitern, Kunden und Geldgebern. Vertrauen ist in der Krise eine der wichtigsten Ressourcen.
Praxistipp
Sprechen Sie mit Ihrer Bank, bevor die Kreditlinie ausgeschöpft ist, nicht danach. Wer früh mit einem Plan kommt, hat deutlich mehr Verhandlungsspielraum.
Titelbild: Vitaly Gariev / Pexels



