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Tagessatz berechnen: so kalkulieren Selbstständige ihren Preis

RedaktionAktualisiert am
Selbstständige Person arbeitet am Laptop mit Kaffee

Viele Selbstständige setzen ihren Tagessatz zu niedrig an, weil sie mit 365 oder 250 Arbeitstagen rechnen. Tatsächlich bleiben nach Urlaub, Krankheit, Akquise und Verwaltung oft nur 150 bis 180 Tage, die Sie Kunden in Rechnung stellen können. Der Rechner zeigt, welcher Tagessatz nötig ist, damit am Ende Ihr Wunscheinkommen übrig bleibt.

Rechner

Alle Beträge netto, also ohne Umsatzsteuer. Die Berechnung erfolgt direkt in Ihrem Browser, es werden keine Daten gespeichert.

Tagessatz berechnen: die Formel

Tagessatz = (Wunscheinkommen + Betriebskosten + Vorsorge) ÷ fakturierbare Tage

Das Wunscheinkommen ist Ihr Gewinn vor Einkommensteuer. Betriebskosten sind alles, was Ihr Geschäft am Laufen hält: Büro, Software, Fahrzeug, Versicherungen, Weiterbildung, Steuerberatung. Unter Vorsorge fallen Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Altersvorsorge, die Angestellten zur Hälfte der Arbeitgeber bezahlt.

Fakturierbare Tage ermitteln

Ein Jahr hat 52 Wochen mit je fünf Werktagen, also rund 260 Tage. Davon gehen ab:

  • Feiertage: je nach Bundesland etwa 9 bis 13
  • Urlaub: das, was Sie sich gönnen wollen, zum Beispiel 30 Tage
  • Krankheit: realistisch 5 bis 10 Tage
  • Nicht abrechenbare Arbeit: Akquise, Angebote, Buchhaltung, Weiterbildung. Bei vielen Selbstständigen sind das 20 bis 30 % der Arbeitszeit.

Beispiel

Eine Unternehmensberaterin möchte 70.000 € im Jahr vor Steuern verdienen. Ihre Betriebskosten liegen bei 12.000 €, für Krankenversicherung und Altersvorsorge plant sie 18.000 € ein. Sie rechnet mit 10 Feiertagen, 30 Urlaubstagen, 10 Krankheitstagen und 25 % nicht fakturierbarer Zeit.

Arbeitstage: 260 − 10 − 30 − 10 = 210
Fakturierbare Tage: 210 × 0,75 = 157,5
Benötigter Umsatz: 70.000 + 12.000 + 18.000 = 100.000 €

Tagessatz = 100.000 ÷ 157,5 = rund 635 € netto. Bei acht Stunden am Tag entspricht das einem Stundensatz von etwa 79 €.

Vom kalkulierten zum verlangten Tagessatz

Der berechnete Wert ist Ihre Untergrenze. Der Preis, den Sie tatsächlich verlangen, hängt zusätzlich ab von:

  • Marktpreisen: Was zahlen Kunden in Ihrer Branche und Region für vergleichbare Leistungen?
  • Auftragslage: Bei voller Auslastung ist das ein klares Signal, die Preise zu erhöhen.
  • Risiko und Zahlungsziel: Lange Zahlungsziele und unsichere Projekte rechtfertigen Aufschläge.
  • Projektgröße: Für feste Kontingente über mehrere Monate sind Nachlässe üblich, für Einzeltage eher nicht.

Auf den Nettosatz kommt bei umsatzsteuerpflichtigen Selbstständigen die Umsatzsteuer, derzeit in der Regel 19 %.

Typische Fehler

  • Den Stundenlohn als Angestellter einfach übernehmen und vergessen, dass Arbeitgeberanteile, Urlaub und Krankheit nun selbst getragen werden.
  • Mit 220 oder mehr fakturierbaren Tagen planen. Das schaffen in der Praxis nur wenige über ein ganzes Jahr.
  • Rücklagen für Auftragslücken nicht einrechnen. Sinnvoll ist ein Puffer, der zwei bis drei Monate Ausgaben deckt.

Praxistipp

Rechnen Sie Ihren Tagessatz einmal im Jahr neu, am besten im Herbst vor der Angebotssaison. Gestiegene Kosten und Versicherungsbeiträge fallen sonst erst auf, wenn das Konto es zeigt.

Redaktion Unternehmen Wachstum

Wir erklären betriebswirtschaftliche Themen für Inhaber und Führungskräfte kleiner und mittlerer Unternehmen – mit Rechenbeispielen aus Handwerk, Handel und Dienstleistung. Beiträge werden regelmäßig überprüft. Hinweise auf Fehler oder Themenwünsche nehmen wir gern über die Kontaktseite entgegen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung.

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