Die Preisuntergrenze ist der niedrigste Preis, zu dem sich ein Auftrag gerade noch lohnt. Sie hängt davon ab, wie lange Sie ihn durchhalten müssen: Kurzfristig reicht es, die variablen Kosten zu decken, langfristig müssen alle Kosten hereinkommen. Dazwischen liegt die liquiditätsorientierte Grenze, die verhindert, dass Ihnen das Geld ausgeht.
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Kurzfristige Preisuntergrenze
Kurzfristige Preisuntergrenze = variable Stückkosten
Haben Sie freie Kapazitäten, fallen die Fixkosten ohnehin an. Jeder Preis über den variablen Kosten bringt einen positiven Deckungsbeitrag und verbessert das Ergebnis. Diese Grenze gilt aber nur für Zusatzaufträge und begrenzte Zeit.
Langfristige Preisuntergrenze
Langfristige Preisuntergrenze = Selbstkosten je Stück = variable Stückkosten + Fixkosten ÷ Menge
Auf Dauer muss jeder Preis alle Kosten decken, sonst zehrt das Unternehmen sein Kapital auf. Wie Sie die vollständigen Kosten je Stück ermitteln, zeigen die Beiträge Selbstkosten berechnen und Stückkosten berechnen.
Liquiditätsorientierte Preisuntergrenze
Liquiditätsorientierte Preisuntergrenze = variable Stückkosten + auszahlungswirksame Fixkosten ÷ Menge
Nicht alle Fixkosten führen sofort zu Auszahlungen. Abschreibungen oder kalkulatorische Zinsen belasten das Ergebnis, aber nicht das Konto. In einer Krise kann ein Betrieb vorübergehend Preise akzeptieren, die nur die tatsächlichen Auszahlungen decken, um zahlungsfähig zu bleiben.
Beispiel
Ein Hersteller von Gartenmöbeln hat variable Kosten von 45 € je Bank und Fixkosten von 300.000 € im Jahr. Geplant sind 10.000 Bänke. 60 % der Fixkosten sind laufende Zahlungen wie Miete, Gehälter und Leasingraten, der Rest sind Abschreibungen.
| Preisuntergrenze | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| kurzfristig | 45 | 45,00 € |
| liquiditätsorientiert | 45 + 180.000 ÷ 10.000 | 63,00 € |
| langfristig | 45 + 300.000 ÷ 10.000 | 75,00 € |
Fragt ein Baumarkt nach 1.000 zusätzlichen Bänken zu 55 €, lohnt sich der Auftrag bei freier Kapazität: Er bringt 10.000 € Deckungsbeitrag. Auf Dauer zu 55 € zu verkaufen, wäre aber ruinös.
Worauf Sie bei Zusatzaufträgen achten sollten
- Echte freie Kapazität: Verdrängt der Auftrag besser bezahlte Arbeit, müssen Sie den entgangenen Deckungsbeitrag hinzurechnen.
- Preisreferenz: Spricht sich ein Sonderpreis herum, verlangen Stammkunden bald dasselbe.
- Zusatzkosten: Überstunden, Eilfracht oder Sonderverpackung erhöhen die variablen Kosten des Auftrags.
- Zeitliche Begrenzung: Preise unter Vollkosten sind ein Werkzeug für Auslastungslücken, kein Geschäftsmodell.
Praxistipp
Legen Sie für Ihr Team eine klare Regel fest, ab welchem Preis Angebote vom Chef freigegeben werden müssen, zum Beispiel unter der langfristigen Preisuntergrenze. So bleiben Sonderpreise bewusste Entscheidungen.



